Niklas Luhmann 1969: Klassische Theorie der Macht: Kritik ihrer Prämissen. In: Zeitschrift für Politik 16, H. 2, S. 149–170.

„Die Macht der Macht scheint im wesentlichen auf dem Umstand zu beruhen, dass man nicht genau weiß, um was es sich eigentlich handele.“

Michel Foucault 2005:

Die Ethik der Sorge um sich als Praxis der Freiheit. In: Michel Foucault. Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits. Band IV, 1980–1988

„Die Behauptung jedoch: „Sehen Sie, die Macht ist überall, folglich gibt es keinen Platz für die Freiheit“ scheint mir absolut unangemessen.“

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Byung-Chul Han, 2005: Was ist Macht?

„Die Macht gewinnt an Stabilität, wenn sie im Lichte des Sinns oder des Sinnvollen erscheint. Sie wird sich also einem Sinnhorizont einschreiben oder gar einen Sinnhorizont bilden müssen, um den Verstehens- und Handlungsprozess effektiv steuern zu können.“

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Foucault, Michel 1987. Der Wille zum Wissen.

„ […] Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.“

Urban Audit

Die Ordnung der Menschen in ihrer Umgebung.

Text von Caroline Weber

Das Fotoprojekt „Urban Audit – Die Ordnung der Menschen in ihrer Umgebung“ von Joachim Clüsserath besteht aus einer Serie urbaner Szenen, die in Köln, Braunschweig und Wolfsburg aufgenommen wurden. Clüsseraths fotografische Arbeiten zeigen Menschen im Stadtraum und nehmen dabei den vertrauten öffentlichen Raum in den Blick: Einkaufsstraßen, Promenaden, Plätze und Brücken, moderne und historische Architekturen, die westdeutschen Städten ihr Gesicht geben und von ihrer Geschichte zeugen, werden zum Motiv. Die Farbpalette der Fotografien wirkt gedämpft – helle Grau- und Weißtöne dominieren, sparsam sind Akzente in Pastellfarben gesetzt.

Durch die verwendete Langzeitbelichtung scheinen die Passanten, Spaziergänger, Sportler, Familien, Arbeiter und Fahrzeuge, die sich im Stadtraum bewegen, gegenüber den konkret ins Bild gesetzten Stadtlandschaften zu verschwimmen und sich dem Zugriff zu entziehen. Dieser Effekt weitet sich auch auf die Natur aus: Wolken und Wasser erscheinen unscharf und diffus, während Menschen und Verkehrsmittel zu unkonkreten, verschwommenen und verwischten Silhouetten werden, die bisweilen sogar die Qualität abstrakter Kompositionen und Bewegungsmuster annehmen können.

Dadurch ergibt sich ein Kontrast zwischen der identifizierbaren Stadtlandschaft, die über Landmarken und Kulturdenkmäler wie dem Kölner Dom verortet werden kann, und den darin lebenden Menschen. Nicht das Individuum ist Gegenstand von Clüsseraths Fotografie. Der Mensch wird gezeigt als Funktionsträger und Nutzer der Stadt. Eine Ausnahme ist das Bild, auf dem Angler klein, aber deutlich unter dem Bogen der Severinsbrücke (Köln) erkennbar sind. Sie sind statisch wie die Brücke selbst, die sich im Nebel bis ins Nichts zu verlieren scheint.

Die Klammer zwischen den Bildern ist die Beziehung/Ordnung zwischen dem Stadtraum und seinen Bewohnern. Clüsserath findet eine Sprache, um diese Beziehung, die sich in Raum und Zeit konkretisiert, ins Bild zu setzen. Er stellt damit Fragen, zum Beispiel nach dem Einfluss von Urbanität auf den modernen Menschen, aber auch danach, wie Urbanität durch den modernen Menschen gestaltet wird.

Kompositorisch stellt sich Clüsserath in ein Beziehungsgeflecht von Traditionen und Sehgewohnheiten. Die durch Bewegung erzeugte Flüchtigkeit und Verwischung übersetzt sich in seinen Bildern in einen malerischen Duktus, der an Bilder von Turner erinnert, Assoziationen zu futuristischen Künstlern wachruft oder Bezüge zu Richter und Giacometti aufweist.

Mit Urban Audit trägt Clüsserath zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte über die (Neu-)Ordnung städtischer Räume und Mobilität bei. Nachhaltige, vom motorisierten Individualverkehr unabhängige Mobilität dominiert das Bild. Das Auto scheint im Stadtraum nicht (mehr) existent zu sein. Historisch überkommene Strukturen werden – etwa durch den Verweis auf preußische Denkmäler – angedeutet und gleichzeitig überwunden, in dem diese verblassend mit dem Hintergrund verschwimmen. Das Reiterstandbild wird durch einen fast aggressiv in Szene gesetzten E-Scooter verdrängt, das neuartige Gefährt zum gesellschaftlichen Kommentar. Dabei scheut Clüsserath plakative Aussagen. Seine Ansicht der sogenannten Kranhäuser im Rheinauhafen (Köln) zeigt durch Spiegelung verdoppelte Glasfassaden – ein für Interpretationen offenes Vexierbild einer vor allem auf sich selbst bezogen Ordnung, die dazu einlädt, über die eigenen Wahrnehmung zu reflektieren.

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Wenn man Foucault für Verschwörungstheorien nutzt, hat man sich selbst widerlegt.

z.B. https://geschichtedergegenwart.ch/mit-foucault-die-pandemie-verstehen/